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Artikel Beschreibung

und ihren heldenmässigen, fröhlichen und glorreichen Abenteuern im Lande Flandern und andernwärts.
Eine Gemeinschaftsausgabe des Paul List Verlages Leipzig und München, Reihe EPIKON - Weltliteratur.
1. Auflage 1960, 775 Seiten mit Nachwort von Theun de Vries, aus dem Französischen von Karl Wolfskehl.
Flexibler Leineneinband.
Vorn ganzseitige Widmung.
Nachdunklungen.
"Der Eule Vorwort" von Bubulus Bubb. Ein nationales Epos des flandrischen Volkes.
Verherrlichung des Freiheitskampfes Flanderns gegen die spanischen Besatzer.
In der DDR auch auf LP erschienen:
„Die Asche brennt mir auf der Brust“ – dieser Satz von de Costers Ulenspiegel ist zum Synonym geworden für revolutionäres Gewissen. De Costers Buch erschien 1868; er gab ihm ein Vorwort der Eule bei, die sich darauf berief, daß sie dem Helden den Namen gab. ..damit enthüllt sich die Eule als ein bourgeoises Vieh, das nicht klug, sondern schlau ist; und ihre Schläue kommt allen denen zustatten die im bürgerlichen Staate zu etwas kommen, vom Politiker bis zur Kokotte.
De Coster, der den Ulenspiegel, Held der Sage und des mittelalterlichen Volksbuches, in den niederländischen Befreiungskampf verpflanzte, wollte also keineswegs ein historisches Bilderbuch verfassen; sein Werk war für die Gegenwart bestimmt. Kämpfendes Volk – das war ein Vorstoß innerhalb der europäischen Literatur seiner Zeit. In Rußland wie in Frankreich wurden die Gebrechen der Gesellschaft in der Literatur angeprangert, aber noch duldete das Volk.
De Coster lebte in einem Land, dessen historische Entwicklung die literarische Entwicklung beeinträchtigte. Aus einer Geschichte, in der das belgische Territorium Objekt dynastischer Interessen war, ragte im 16. Jahrhundert ein Ereignis von europäischer Bedeutung heraus: Der Kampf gegen Spanien an der Seite der Niederlande. Im 19. Jahrhundert wurde es ein Spielball größerer Interessen: Es hatte bis 1815 zu Frankreich gehört, nach dem Sieg der europäischen Großmächte über Napoleon wurde es unter der Oberherrschaft des Hauses Oranien mit Holland zwangsvereinigt. Obwohl die beiden Völker eine gemeinsame revolutionäre Vergangenheit und gemeinsame Interessen in der Gegenwart hatten, mißriet diese „Einigung von oben“; Belgien erhob sich unter dem Eindruck der französischen Julirevolution 1830 und erkämpfte seine staatliche Unabhängigkeit. Die politischen Probleme und Konflikte dieses Landes glichen von nun an denen jedes anderen westeuropäischen kapitalistischen Staates.
Für die kulturelle Entwicklung bestanden nach wie vor besondere Schwierigkeiten: Das Land war zweisprachig – französisch und flämisch – hinzu kam noch eine wallonische Sprachgruppe. Es hatte kaum eigene kulturelle Traditionen. Die großen Nachbarn Frankreich und Deutschland wirkten stark auf die kulturelle Entwicklung ein; außerdem kam noch hinzu, daß Französisch gleichzeitig die Sprache des ehemaligen Unterdrückers war. Der holländische Schriftsteller Theun de Vries schrieb über die belgische kulturelle Entwicklung ab 1830: „Drum ist zu Anfang in dieser Kultur viel Unnatur und Chauvinismus, mehr guter Wille, mehr Absicht als Talent enthalten. Ihr bürgerlicher Charakter war durch die Wirklichkeit vorgeschrieben; er wurde durch die schnelle kapitalistische Entwicklung des Landes nur noch verstärkt. Inzwischen arbeitete der antifranzösische Kurs, den die Intelektuellen dieses nationalen Typs einschlugen ... , in der Literatur einem romantischen Patriotismus in die Hände. Die Schriftsteller, die sich nach 1830 stärker als zuvor als Belgier fühlen wollten, sahen vor allem im historischen Roman ... das Mittel, zu einem neuen nationalen Ideal zu gelangen. Sie verteidigten das neue Vaterland, und zwar in erster Linie durch die Verherrlichung seiner großen Vergangenheit oder zumindest dessen, was ihnen groß erschien. Gleichzeitig verbarg sich hinter dieser Verherrlichung verflossener Ruhmeszeiten, bewußt oder unbewußt, das Verlangen, die häßliche Wirklichkeit des neuen Belgiens durch den Hinweis auf eine Epoche vergessen zu machen, die von fern gesehen schöner und interessanter erschien. Dieser, übrigens sehr berechtigte, belgische Nationalstolz in der Nationalliteratur (kein Volk kann vorwärtsgehen, das seine Vergangenheit nicht kennt und sich darin vertieft hat) ist durchaus zu begreifen, wenn man ihn auch nicht immer bewundern kann.“ Das war die literarische Situation, der sich de Coster gegenüber sah.
Charles de Coster wurde 1827 geboren. Nach einigen Universitätsjahren in Brüssel versuchte er, sich als Journalist und Literat zu etablieren. Die Gruppen und Freundeskreise, in denen er verkehrte, waren liberal und demokratisch gesinnt, sie standen in mehr oder minder scharfer Opposition zur bürgerlichen Gesellschaft. De Coster verehrte seine großen französischen Zeitgenossen wie Victor Hugo und bewunderte Meister wie Meliere, Schiller, E. T. A. Hoffmann. Mit diesem literarischen Bereich vertrug sich gut sein Interesse für Volkswitz, -wahrheit und -weisheit. Sein erstes bedeutendes Werk erschien 1858, die „Flämischen Legenden“. Seine Beschäftigung mit der Vergangenheit des Landes trug ihm einige Jahre ein Amt in einer historischen Kommission ein. Als er es dort nicht mehr aushalten konnte, lebte er weiter arm und entbehrungsvoll. Keines seiner Werke wurde zu seinen Lebzeiten ein großer Erfolg. Nur wenige kannten ihn, als er 1879 starb.(Covertext der Platte)
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28. Jul 2010, 15:29
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401147773
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Kategorie I: Bücher & Zeitschriften / Bücher... / Unterhaltungsliteratur... / Klassiker
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